A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Z

Othello

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Aemilia.
Gebe der Himmel, daß es Staats-Sachen seyen, wie ihr glaubt, und
keine eifersüchtige Grillen, die euch angehen.

Desdemona.
Das wäre gar zu unglüklich! Ich gab ihm niemals Ursache dazu.

Aemilia.
Eifersüchtige Gemüther lassen sich damit nicht beruhigen; sie sind
nicht allezeit eifersüchtig, weil sie eine Ursache dazu haben,
sondern oft nur, weil sie eifersüchtig sind. Die Eifersucht ist
ein Ungeheuer, daß keinen andern Vater und keine andre Mutter hat
als sich selbst.

Desdemona.
Der Himmel bewahre Othello's Herz vor diesem Ungeheuer!

Aemilia.
Dazu sag ich Amen, Gnädige Frau.

Desdemona.
Ich will sehen, wo er ist. Cassio, entfernt euch nicht zu weit;
wenn ich ihn in einer bessern Laune finde, so will ich euer Anligen
wieder in Bewegung bringen, und das äusserste versuchen, um
glüklich damit zu seyn.

Cassio.
Ich danke Eu. Gnaden demüthig.

(Sie gehen auf verschiedenen Seiten ab.)



Dreyzehnte Scene.
(Eine Strasse vor dem Pallast.)
(Cassio, tritt wieder auf, und begegnet der Bianca.)


Bianca.
Guten Tag, Freund Cassio.

Cassio.
Was führt euch hieher? Wie steht's mit euch, meine schönste
Bianca? In der That, mein Herzchen, ich war im Begriff bey euch
anzusprechen.

Bianca.
Und ich war im Begriff euch einen Besuch in euerm Quartier
abzustatten, Cassio. Wie? eine ganze Woche wegbleiben? Sieben
Tag' und Nächte? Hundert und acht und sechszig Stunden? Und eines
Liebhabers Abwesenheits-Stunden, die hundert und sechszig mal
langweiliger sind als der Stunden-Zeiger. O! eine verdrießliche
Rechnung!

Cassio.
Vergieb mir, Bianca; ich war diese Zeit über von bleyernen Gedanken
zu Boden gedrükt; aber ich werde in einer glüklichern Zeit diese
lange Rechnung von Abwesenheit zu tilgen wissen. Liebste Bianca,
zeichne mir diesen Riß ab--

(Er giebt ihr Desdemonens Schnupftuch.)

Bianca.
O Cassio, woher habt ihr das? Das hat mir die Mine von einem
Liebes-Pfand irgend einer neuern Freundin: Nun merk' ich die
Ursache deiner Abwesenheit die mir so schmerzlich war: Ist es dazu
gekommen? Wohl, wohl!

Cassio.
Geh, Mädchen, und wirf deine häßlichen Muthmassungen dem Teufel in
die Zähne, von dem du sie hast. Du bildest dir also ein, das sey
ein Andenken von einer Liebste? Nein, Bianca, in ganzem Ernst.

Bianca.
Wie, von wem ist es dann?

Cassio.
Das weiß ich selbst nicht; ich fand es in meinem Zimmer; die Arbeit
daran gefällt mir ungemein, und eh man es wieder begehrt, (welches
vermuthlich geschehen wird) möcht' ich einen Abriß davon haben.
Nimm es, mein Herz, und zeichn' es ab, und laß mich izt allein.

Bianca.
Euch allein lassen? Warum?

Cassio.
Ich warte hier auf den General, und denke, es würde mir eben keine
grosse Dienste bey ihm thun, wenn er mich beweibt sehen würde.

Bianca.
Wie ist das zu verstehen?

Cassio.
Nicht als liebt' ich euch nicht.

Bianca.
Sondern nur daß ihr mich nicht liebet. Ich bitte euch, macht mir
das ein wenig deutlicher und sagt mir, ob ich euch diese Nacht
nicht sehen soll?

Cassio.
Wenigstens will ich euch sehen, sobald ich kan.

Bianca.
Nun wohl dann, ich muß es also drauf ankommen lassen.

(Sie gehen ab.)




Vierter Aufzug.



Erste Scene.
(Eine Strasse vor dem Pallast.)
(Othello und Jago treten auf.)


Jago.
Denkt ihr das?

Othello.
Ob ich's denke, Jago?

Jago.
Wie, einander heimlich küssen?

Othello.
Unauthorisierte Küsse?

Jago.
Oder auch nakend bey ihrem Freund im Bette zu ligen, eine, zwo und
mehr Stunden, ohne was böses dabey zu meynen? Das sollte nicht
möglich seyn?

{ed. * Eine Anspielung auf die berüchtigte Keuschheits-Probe des
heiligen Robert von Arbrissel, der mitten zwischen zwoen schönen
jungen Nonnen eine Probe machte, die mit einer Häßlichen gefährlich
wäre.}

Othello.
Nakend im Bette, Jago, und nichts böses dabey meynen? Das heißt,
den Teufel zum Narren machen wollen: Leute, die mit tugendhaften
Absichten so etwas thun, die versucht der Teufel nicht; sie
versuchen den Himmel.

Jago.
Und doch, wenn sie nichts thun, so ist es nur eine läßliche Sünde:
Aber wenn ich meinem Weib ein Schnupftuch gebe--

Othello.
Was dann?

Jago.
Was dann? So gehört's ihr zu, Gnädiger Herr; und da es ihr
zugehört, so kan sie's, denk' ich, wieder einem andern geben.

Othello.
Ihre Ehre gehört auch ihr zu; darf sie solche darum weggeben?

Jago.
Ihre Ehre ist ein unsichtbares Ding und es bleibt immer
problematisch ob man sie hat oder nicht hat; aber das Schnupftuch--

Othello.
Beym Himmel! du erinnerst mich an etwas das ich so gern vergessen
hätte; du sagtest--oh, es kommt über mein Gedächtniß wie ein Unglük-
weissagender Rabe über ein verpestetes Haus--er habe mein
Schnupftuch.

Jago.
Ja, und was ist's dann mehr?

Othello.
Es ist nur zuviel.

Jago.
Was wär' es denn, wenn ich sagte, ich habe mit meinen eignen Augen
gesehen, daß er euch beleidigt habe, oder ich hab' es von ihm
selbst gehört, (wie es denn solche Schurken giebt, die, wenn sie
irgend ein Frauenzimmer, entweder durch ungestüme Verfolgungen oder
durch die freywillige Ergebung der Dame unter sich gebracht haben,
es unmöglich von sich selbst erhalten können nicht zu plaudern.)

Othello.
Hat er dann etwas gesagt?

Jago.
Das hat er, Gnädiger Herr; aber dessen seyd versichert, nichts was
er nicht wieder läugnen und verschwören würde.

Othello.
Was sagt' er denn?

Jago.
Was? Er habe bey ihr--ich weiß nicht was gethan--

Othello.
Was denn, was denn?

Jago.
Gelegen.

Othello.
Bey ihr?

Jago.
Bey ihr, oder auf ihr--was ihr wollt--

Othello.
Bey ihr! Auf ihr! Bey ihr gelegen! Das ist alles was man sagen
kan: Das Schnupftuch--Sein eigen Geständniß--Das Schnupftuch! das
Schnupftuch!--Ich erschüttre vom blossen Gedanken--Ohne eine grosse
Ursache würde die Natur sich selbst in keinen solchen Schatten
einhüllen. Es sind keine Worte, die mich so schütteln--Nasen,
Ohren und Lippen--ist's möglich! Sein Geständniß! Ihr Schnupftuch!
--O Teufel!

(Er wird ohnmächtig.)

Jago.
Würke du nur wohl, meine Mixtur, würke! So muß man leichtgläubige
Narren fangen--manche rechtschaffne und keusche Frauen kommen, mit
aller ihrer Unschuld, gerad auf solche Art um ihren guten Namen.
Wie, he! Gnädiger Herr! Hört ihr nicht? Othello! he!



Zweyte Scene.
(Cassio tritt auf.)


Jago.
Wo kommt ihr her, Cassio?

Cassio.
Was giebt's hier?

Jago.
Der General ist von dem fallenden Weh überfallen worden; das ist
nun der zweyte Anstoß; er hatte gestern den ersten.

Cassio.
Reibt ihn um die Schläfe.

Jago.
Nein, rührt ihn nicht an; man muß der Ohnmacht ihren ruhigen Gang
lassen; oder, er fängt an zu schäumen, und bricht endlich völlig in
die wildeste Tobsucht aus: Seht, er rührt sich; entfernt euch ein
wenig, er wird gleich wieder zu sich selbst kommen; wenn er weg ist,
so möcht' ich über eine Sache von grosser Wichtigkeit mit euch
sprechen können.

(Cassio geht ab.)

--Wie steht's mit euch, Gnädiger Herr? Habt ihr den Kopf nicht
angeschlagen?

Othello.
Spottest du meiner noch?

Jago.
Ich spotte, beym Himmel! nicht; aber ich wünschte, daß ihr euer
Unglük wie ein Mann trüget.

Othello.
Ein gehörnter Mann ist ein Ungeheuer; ein Unthier.

Jago.
Wenn das ist, so giebt es in volkreichen Städten eine Menge
Ungeheuer, und dazu noch recht zahme und manierliche Ungeheuer.

Othello.
Er gestand's also selbst?

Jago.
Liebster General, seyd ein Mann! denkt, es sind wenige bärtige
Gesellen, die, wenn sie anders bejocht sind, nicht mit euch ziehen.
Millionen Männer leben diesen Augenblik, die alle Nacht in einem
Bette ligen, das sie mit andern theilen; und die doch schwüren, daß
es ihnen eigen sey. Euer Fall ist doch noch besser. O, das ist
des Teufels gröster Spaß, eine unzüchtige Meze in ein sichres Ehe-
Bette zu legen, und sie für ein Tugendbild zu geben. Nein, besser
ist's ich wisse's; wenn ich weiß, was ich bin, so weiß ich auch,
was sie seyn soll.

Othello.
O, du sprichst wie ein Orakel; das ist gewiß.

Jago.
Geht nur eine kleine Weile bey Seite, verbergt euch, und habt ein
wenig Geduld. Während daß ihr hier von euerm Schmerz so unmännlich
überwältigt laget, kam Cassio hieher. Ich erdachte gleich etwas,
um eurer Ohnmacht eine scheinbare Ursache zu geben, und schaffte
ihn wieder weg, bat ihn aber bald wieder zu kommen, weil ich mit
ihm zu reden hätte. Er versprach mir's. Verbergt euch also nur
irgendwo, wo ihr ihn sehen könnt; und beobachtet das schelmische,
triumphierende Lächeln, die hönische Züge, die sichtbare
Leichtfertigkeit, die sein Geheimniß in seinem ganzen Gesicht
verrathen. Denn er soll mir seine Erzählung wieder von vorn
anfangen; wo, wie, wie oft, seit wie lange, und wenn er mit eurer
Frau handgemein worden ist, und es noch ferner werden will; ich
sage, gebt nur auf seine Mine Acht--O zum Henker, Geduld, oder ich
muß endlich glauben, ihr seyd über und über lauter Galle, und habt
nicht das mindeste von einem Mann.

Othello.
Hörst du, Jago! Ich will dir zeigen, daß ich so lange geduldig
scheinen kan, als es nöthig ist; aber eine blutige Rache soll mich
davor schadlos halten.

Jago.
Es läßt sich hören; aber nur alles zu rechter Zeit. Wollt ihr bey
Seite gehen?

(Othello verbirgt sich.)
(--Jago, ohne daß ihn Othello hören kan, fährt fort:)

Nun will ich den Cassio nach seiner Bianca fragen, einem Weibsbild,
das seine Reizungen verkauft, um sich Brod und Kleider davor
anzuschaffen. Die Närrin ist sterblich in Cassio verliebt, und zur
Straffe davor, daß sie schon so viele betrogen hat, wird sie izt
von ihm betrogen; denn er kan sich, wenn er nur von ihr reden hört,
des überlauten Lachens nicht verwehren.--Da kommt er.



Dritte Scene.
(Cassio (zu Jago.)


Jago.
Je mehr er lachen wird, je mehr wird Othello rasen; sein Lächeln,
seine Gebehrden, seine leichtsinnigen Manieren, seine kleinsten
Bewegungen, werden durch die Auslegung, die der eifersüchtige Mohr
davon macht, zu Verräthern an ihm werden Nun, wie geht's euch,
Lieutenant?

Cassio.
Desto schlimmer, weil ihr mir einen Charakter beylegt, dessen
Beraubung mir das Leben zur Quaal macht.

Jago.
Macht euch nur recht lebhaft an Desdemona, so kan's euch nicht
fehlen. (leiser.)
Gelt, wenn Bianca die Gewalt dazu hätte, wie schnell würdet ihr
wieder hergestellt seyn.

Cassio (lachend.)
Wie kommt ihr auf diese arme Närrin?

Othello (vor sich.)
Seht, wie er schon lacht.

Jago.
In meinem Leben hab' ich kein Weibsbild so verliebt in einen Mann
gesehen.

Cassio.
Der arme Tropf, ich denke, in der That, sie ist in mich verliebt.

Othello (vor sich.)
Izt läugnet er's so ganz kaltsinnig, und lacht hinten nach.

Jago.
Hört ihr, Cassio?

Othello (vor sich)
Izt sezt er ihm zu, es ihm zu gestehen: Gut, gut, nur weiter!

Jago.
Sie giebt aus, ihr wollt sie heurathen. Ist das eure Absicht?

Cassio.
Ha, ha, ha!

Othello.
Triumphierest du, Schurke? Triumphierest du?

Cassio.
Ich, sie heurathen?--Eine barmherzige Schwester? Ich bitte dich,
erweise meiner Vernunft so viel Christliche Liebe, und glaube etwas
bessers von ihr. Ha, ha, ha!

Othello (vor sich.)
So, so: Wer gewinnt, hat gut lachen.

Jago.
In der That, die Rede geht, ihr werdet sie heurathen.

Cassio.
Ich bitte dich, redst du im Ernst?

Jago.
Ich will ein Schelm seyn, wenn es anderst ist.

Othello (vor sich.)
Hast du mein Maß genommen? Nun, wohl dann!

Cassio.
Wenn das ist, so kommt es von dem Affen selbst. Sie hat sich's in
den Kopf gesezt, daß ich sie heurathen werde, und das bloß, weil
sie es wünscht, und nicht, weil ich ihr's versprochen hätte.

Othello.
Izt fängt er die Historie an--

Cassio.
Sie war erst kürzlich hier; sie spükt mir nach, wo ich hingehe.
Ich war neulich am Ufer, und sprach mit etlichen Venetianerinnen,
da kommt die Närrin, und fällt mir so zärtlich um den Hals--

Othello (bey Seite.)
Und ruft, o du allerliebstes Cassio, oder so was; seine Gebehrden
sagen das.

Cassio.
Hängt sich so an, und herzt und küßt mich, und weint auf mich, und
schüttelt und drükt mich, so abscheulich zärtlich--Ha, ha, ha!--

Othello.
Izt erzählt er, wie sie ihn in mein Schlafzimmer gezogen habe: O,
ich sehe deine aufgestülpte Nase vor mir, aber ich seh' den Hund
nicht, dem ich sie vorwerfen will.

Cassio.
Gut, ich kan mich nicht länger hier aufhalten.

Jago.
Wie es euch beliebt--Aber da kommt sie ja selbst.



Vierte Scene.
(Bianca zu den Vorigen.)


Cassio.
Was das für eine Meer-Kaze ist! Zum Henker, und sie riecht noch
dazu nach Biesam:--Was soll denn das bedeuten, daß ihr mir so
nachlauft?

Bianca.
Das mag der Teufel und seine Großmutter thun! Sagt mir einmal, was
wolltet ihr mit dem Schnupftuch, das ihr mir vorhin gegeben habt?
Ich war wol eine grosse Närrin, daß ich's annahm: Ich sollte die
Arbeit absehen? Ein feines Stük Arbeit, daß ihr in euerm
Schlafzimmer gefunden habt, und wißt nicht, wer es da verlohren
haben mag. Ich will nicht ehrlich seyn, wenn es nicht ein Geschenk
von irgend einer ehrsamen Matrone ist; und ich soll die Arbeit dran
absehen? Da, gebt es euerm Steken-Pferde: Woher ihr's auch haben
mögt, ich will nichts daran absehen, ich.

Cassio.
Nun, nun, meine schöne Bianca, sachte, sachte!

Othello (bey Seite.)
Beym Himmel, das wird wohl mein Schnupftuch seyn.

Bianca.
Wenn ihr heute zu mir zum Nachtessen kommen wollt, so könnt ihr; wo
nicht, so kommt nicht eher als bis man Anstalten auf euch gemacht
hat.

(Sie geht ab.)

Jago.
Lauft ihr nach, lauft ihr nach.

Cassio.
Das muß ich, sonst fangt sie auf der Strasse einen Lermen an.

Jago.
Wollt ihr bey ihr zu Nacht essen?

Cassio.
Ja, ich hab es im Sinn.

Jago.
Gut, vielleicht seh ich euch dort; denn ich möchte sehr gern mit
euch reden.

Cassio.
Ich bitt euch, kommt; wollt ihr--

Jago.
Verlaßt euch darauf--

(Cassio geht ab.)



Fünfte Scene.
(Othello und Jago.)


Othello.
Was für eine Todesart soll ich ihm anthun, Jago?

Jago.
Habt ihr gesehen, wie lustig er sich mit seinem Verbrechen machte?

Othello.
Oh, Jago!

Jago.
Und saht ihr das Schnupftuch?

Othello.
War's das meinige?

Jago.
Das eurige, auf meine Ehre! und habt ihr gesehen, wie viel er sich
aus dem einfältigen Geschöpf, eurer Frau, macht?--Sie gab es ihm
und er verschenkt es an seine Hure!

Othello.
Ich wollt, ich könnte neun Jahre lang an ihm morden--eine so artige
Frau! Eine so schöne Frau! Eine so anmuthsvolle Frau!

Jago.
Nein, das müßt ihr nun vergessen!

Othello.
O, laß sie verfaulen, verdorren und zur Hölle fahren, eh es wieder
Tag wird! leben soll sie nicht! Nein, mein Herz ist zu Stein
worden: ich schlage drauf, und die Hand schmerzt mich davon--O, die
ganze Welt hat keine reizendere Creatur! Sie hätte an eines
Kaysers Seite ligen können, er würd' ihr Sclave gewesen seyn!

Jago.
Nicht doch; das sind Gedanken, die gar nicht zur Sache taugen.

Othello.
An den Galgen mit ihr, ich sage nur was sie ist--eine so feine
Arbeiterin mit der Nadel--eine vortrefliche Musicantin--Oh, sie
würde die Wildheit aus einem Bären heraus singen so belebt, so
wizig! So voller Geist!

Jago.
Desto schlimmer ist sie um das alles.

Othello.
O, tausend, tausendmal: Und dann von so einnehmender Gestalt!--

Jago.
Nur gar zu einnehmend.

Othello.
Ja, das ist wahr. Aber doch ist es erbärmlich, Jago--oh, Jago, es
ist erbärmlich!--

Jago.
Wenn ihr so zärtlich gegen ihre Bosheiten seyd, so gebt ihr ein
Patent, daß sie euch beleidigen darf wie sie will; wenn ihr
gleichgültig dabey seyd, so hat sich niemand darum zu bekümmern.

Othello.
Ich will sie in kleine Stükchen haken: Mich zum Hahnrey zu machen!

Jago.
Es ist garstig an ihr!

Othello.
Mit meinem Lieutenant!

Jago.
Das ist noch garstiger!

Othello.
Verschaffe mir eine Dose Gift bis auf die Nacht, Jago; ich will
keinen Wortwechsel mit ihr haben--ich darf meine Standhaftigkeit
nicht an ihre Reizungen wagen--Diese Nacht, Jago--

Jago.
Aber nicht durch Gift; erdrosselt sie in ihrem Bette, in dem Bette,
das sie entweiht hat.

Othello.
Gut, gut; dieses Mittel gefällt mir, weil es gerecht ist--

Jago.
Und was den Cassio betrift, den überlaßt mir; bis Mitternacht sollt
ihr mehr hören.

(Eine Trompete hinter der Scene.)

Othello.
Vortrefflich! Wie? Was bedeutet diese Trompete?

Jago.
Vermuthlich etwas von Venedig--Es ist Lodovico, vom Herzog
abgeschikt: Au, seht, eure Gemahlin ist schon bey ihm.



Sechste Scene.
(Lodovico, Desdemona, und Gefolge treten auf.)


Lodovico.
Seyd mir gegrüßt, würdiger General.

Othello.
Ich erwiedre den Wunsch von ganzem Herzen, mein Herr.

Lodovico.
Der Herzog und die Senatoren von Venedig grüssen euch.

(Er überreicht ihm ein Schreiben.)

Othello.
Ich küsse die Urkunde ihrer Befehle.

Desdemona.
Und was giebt es neues, mein lieber Vetter Lodovico?

Jago.
Ich bin sehr erfreut euch zu sehen, mein Herr; willkommen in Cypern.

Lodovico.
Ich danke euch; was macht der Lieutenant Cassio?

Jago.
Er lebt, mein Herr.

Desdemona.
Vetter, es ist zwischen meinem Gemahl und ihm zu einem
unfreundlichen Bruch gekommen; aber ihr werdet alles wieder gut
machen.

Othello (vor sich.)
Seyd ihr dessen so gewiß?

Desdemona.
Mein Gemahl?

Othello (ließt.)
"Ermangelt nicht, dieses zu befolgen, so lieb euch--"

Lodovico (zu Desdemona.)
Er rief euch nicht; er ist in seinem Schreiben vertieft. Ist ein
Mißverständnis zwischen dem General und Cassio?

Desdemona.
Ein sehr unglükliches; ich wollte gern alles thun, sie wieder zu
vereinigen, so lieb ist mir Cassio.

Othello.
Feuer und Schwefel! (vor sich.)

Desdemona.
Mein Gemahl!

Othello.
Seyd ihr bey Verstand?

Desdemona (zu Lodovico.)
Wie, ist er zornig?

Lodovico.
Vielleicht hat ihn das Schreiben in einige Bewegung gebracht. Denn,
wie ich vermuthe, so beruffen sie ihn nach Hause, und befehlen ihm,
sein Gouvernement dem Cassio zu überlassen.

Desdemona.
Glaubt mir, es erfreut mich.

Othello.
In der That! (vor sich.)

Desdemona.
Mein Gemahl!

Othello.
Ich bin erfreut, dich toll zu sehen. (vor sich.)

Desdemona.
Wie, mein liebster Othello?

Othello (nach ihr schlagend.)
Teufel!--

Desdemona.
Das hab' ich nicht verdient.

Lodovico.
Mein Herr, in Venedig würde das niemand glauben, wenn ich gleich
schwüre, daß ichs gesehen habe. Es ist sehr viel; bittet ihr's ab;
sie weint.

Othello.
O Teufel! Teufel! Könnte die Erde von Weiberthränen geschwängert
werden, jeder Tropfe, den sie weint, würde ein Crocodil werden: Aus
meinem Gesicht--

Desdemona (indem sie gehen will.)
Ich will gehen, wenn euch mein Anblik so zuwieder ist.

Lodovico.
Wahrhaftig, eine gehorsame Frau--ich bitte Euer Gnaden, ruffet sie
zurük.

Othello.
Madam--

Desdemona.
Mein Gemahl--

Othello.
Was wollt ihr mit ihr, mein Herr?

Lodovico.
Wer, ich, mein Herr?

Othello.
Ja; ihr wolltet ja, ich sollte machen, daß sie sich wieder umdrehe.
Herr, sie kan sich drehen, und drehen, und doch weiter kommen; sie
ist eine Meisterin darinn. Und sie kan auch weinen, Herr, weinen;
und sie ist gehorsam; wie ihr sagtet, gehorsam; sehr gehorsam--
weint ihr nur fort--Was das anbetrift, mein Herr--O die
Leidenschaften spielt sie vortreflich!--Ich bin zurükberuffen--

(zu Desdemona.)
Pakt ihr euch fort, ich will gleich wieder nach euch schiken--Mein
Herr, ich gehorche dem Oberherrlichen Befehl, und will nach Venedig
zurük kehren--Weg, pake dich!--

(Desdemona geht ab.)

--Cassio soll meinen Plaz haben. Und ihr, mein Herr, werdet mir
die Ehre erweisen, heute mit mir zu Nacht zu essen. Ihr seyd
willkommen in Cypern--

(vor sich.)
Geissen, und Affen!

{ed. * [Sind diese Venetianer,] denkt er hinzu.}

(Er geht ab.)



Siebende Scene.
(Lodovico und Jago bleiben zurük.)


Lodovico.
Ist diß der edle Mohr, den unser ganzer Senat sein Alles und Alles
nennt? Ist diß das Gemüth, dessen standhafte Tugend keine
Leidenschaft, kein Glük, kein Zufall erschüttern kan?

Jago.
Er hat sich sehr verändert.

Lodovico.
Ist er recht bey Sinnen? Leidet er etwann am Gehirn?

Jago.
Er ist was er ist; ich mag nicht sagen, was ich denke. Ich wollte
zu Gott, er wäre, was er seyn könnte, wenn er nicht ist, was er
sollte.

Lodovico.
Wie, seine Gemahlin schlagen!

Jago.
In der That, es war nicht fein; und doch wünscht' ich, ich wißte,
daß dieser Streich das ärgste wäre.

Lodovico.
Ist er gemeiniglich so? oder würkte das Schreiben so stark auf
sein Blut, daß er zum ersten mal sich selbst so ungleich war?

Jago.
Es ist eine schlimme Sache, leider! Es wäre nicht anständig, wenn
ich sagen wollte, was ich gesehen und gehört habe. Ihr werdet ihn
durch euch selbst kennen lernen, und sein eignes Betragen wird ihn
so charakterisieren, daß ich meine Worte sparen kan. Geht ihm nur
nach, und seht, wie er fortfahren wird.

(Sie gehen ab.)



Achte Scene.
(Verwandelt sich in einen Saal im Pallast.)
(Othello und Aemilia treten auf.)


Othello.
Ihr habt also nichts gesehen?

Aemilia.
Noch jemals was solches gehört, oder nur gemuthmasset.

Othello.
Ihr habt doch den Cassio und sie beysammen gesehen?

Aemilia.
Aber da sah ich nichts böses, und ich hörte eine jede Sylbe, die
sie mit einander redeten.

Othello.
Wie, flüsterten sie niemals zusammen?

Aemilia.
Niemals, Gnädiger Herr.

Othello.
Und schikten sie euch niemals fort?

Aemilia.
Niemals.

Othello.
Etwann ihren Fächer, ihre Handschuhe, ihre Maske, oder so was zu
holen?

Aemilia.
Niemals, Gnädiger Herr.

Othello.
Das ist seltsam!

Aemilia.
Ich dürfte meine Seele an einem Pfahl wetten, Gnädiger Herr, daß
sie ehrlich ist: Wenn ihr anders denkt, so verbannet diesen
Gedanken, er betrügt euer Herz. Der Himmel vergelt' es dem Elenden,
der es euch in den Kopf gesezt haben mag, mit dem Fluch der
Schlange! Wahrhaftig, wenn sie nicht tugendhaft, keusch und getreu
ist, so giebt's keinen glüklichen Mann auf Erden; so ist die
reinste ihrer Weiber so häßlich als Lästerung.

Othello.
Geh, ruffe sie hieher.

(Aemilia geht ab.)

Sie sagt genug; allein sie ist eine einfältige Kupplerin, die nicht
mehr sagen kan--Das ist eine verschmizte Hure, die ihre garstigen
Geheimnisse behutsam zu verriegeln weiß--und doch kniet sie euch in
ihrem Zimmer hin, und betet: Das hab' ich selbst gesehen.



Neunte Scene.
(Desdemona und Aemilia treten auf.)


Desdemona.
Was ist euer Wille, mein Gemahl?

Othello.
Kommt näher, Hühnchen, wenn ich bitten darf.

Desdemona.
Was beliebt euch?

Othello.
Laßt mich eure Augen sehen; seht mir in's Gesicht.

Desdemona.
Was für eine entsezliche Einbildung kommt euch an?

Othello (Zu Aemilia.)
Ein Stük von euerm Amt, Madam; laßt die handelnden Personen allein,
und schließt die Thüre zu; hustet, oder ruft wenn jemand kommt.
Euer Geheimniß, euer Geheimniß--nein, macht euch fort.

(Aemilia geht ab.)

Desdemona.
Auf meinen Knien, was wollen diese Reden sagen? Ich sehe wol, daß
etwas Entsezliches in euern Worten ist, aber ich verstehe sie
dennoch nicht.

Othello.
Wie? Was bist du?

Desdemona.
Euer Weib, mein Herr; euer getreues, redliches Weib.

Othello.
Komm, schwör mir das; sprich dir dein Urtheil selbst; sonst möchten,
da du einem himmlischen Wesen so ähnlich bist, die Teufel sich
scheuen Hand an dich zu legen. Zieh dir also eine zweyfache
Verdammniß zu; schwöre, du seyest ehrlich.

Desdemona.
Der Himmel weiß es.

Othello.
Der Himmel weiß, daß du falsch wie die Hölle bist.

Desdemona.
An wem, mein Gemahl? Mit wem? Wie bin ich falsch?

Othello (Er weint.)
Ach, Desdemona! Weg, weg, weg!--

Desdemona.
O des unglükseligen Tags! Warum weint ihr? Bin ich die Beweg-
Ursach dieser Thränen, mein liebster Mann?--Wenn ihr vielleicht
meinen Vater in Verdacht habt, daß er an eurer Zurükberuffung
Schuld habe, so laßt es doch mich nicht entgelten; wenn ihr ihn
verlohren habt, so hab' ich ihn ja auch verlohren.

Othello.
Hätt' es dem Himmel gefallen, mich durch Trübsale zu prüfen, hätt'
er alle Arten von Schmerzen und Demüthigungen auf mein naktes Haupt
regnen, mich bis an die Lippen in Armuth versinken, mich ohne
Hoffnung der Befreyung in Sclaverey gerathen lassen; so würd' ich
noch in irgend einem Winkel meiner Seele einen Tropfen Geduld
gefunden haben. Aber, ach! mich zu einem festen Ziel für den
unbeweglichen Finger der spottenden Verachtung zu machen--und doch
auch das, auch das wollt' ich noch ertragen können. Aber da,

{ed. * Man hat hier, einem herrschenden, obgleich an sich vielleicht
ungerechten Vorurtheil zu gefallen, von dem buchstäblichen Sinn des
Originals ein wenig abweichen müssen.}

wo die Ruhe, der Trost, die Wonne meines Lebens lag, aus deinem Herzen
vertrieben zu seyn, oder es als eine Cisterne, worinn unflätige
Kröten zügeln, zu besizen: Hebe dich weg, Geduld, du junger,
rosenwangichter Cherubin,--Da seh' ich grimmig wie die Hölle aus.

Desdemona.
Ich hoffe, mein edelmüthiger Mann kennt mich genugsam, mich für
unschuldig zu halten.

Othello.
O, ja, wie Sommerfliegen in Schlachthäusern, die von einem
anwehenden Lüftchen lebendig werden. O du giftiges Unkraut, warum
bist du so lieblich anzusehen? Du riechst so gut, daß einem der
Kopf davon weh thut. Ich wollte, du wärest nie gebohren worden!

Desdemona.
Himmel! was für eine Sünde kan ich unwissender Weise begangen
haben?

Othello.
Wie, du fragst noch? Du fragst was du begangen habest? Begangen?--
O du Nichtswürdige, ich würde meine Wangen zu Feuer-Essen machen,
wo die Zucht zu Asche verbrennen müßte, wenn ich deine Thaten
nennen wollte. Wie? was du begangen hast? Der Himmel stopft sich
die Nase davor zu, und der Mond die Augen; der buhlerische Wind
sogar, der alles küßt was ihm vorkommt, hat sich in die holen Minen
der Erde verkrochen, und will es nicht anhören. Was du begangen
hast?--Unverschämte Meze!

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Oklahoma City to be Site of NAHJ Region 5 Conference
A little more than a year after forming, the Oklahoma City Chapter of the National Association of Hispanic Journalists will be the host for the 2007 Region 5 Conference, March 30 - 31.

Support Teen Literature Day planned for April 19
The Young Adult Library Services Association (YALSA), the fastest growing division of the American Library Association (ALA), is celebrating its first ever Support Teen Literature Day on April 19, as part of ALA's National Library Week celebration.